Im Zentrum der rosaroten Stadt: das Hotel le Grand Balcon, Toulouse. (c) Michael Pohl

Im Zentrum der rosaroten Stadt: das Hotel le Grand Balcon, Toulouse. (c) Michael Pohl

Dass er einmal eines der erfolgreichsten Kinderbücher der Welt schreiben würde, „Der kleine Prinz“, ahnte Antoine de Saint-Exupéry 1926 vermutlich noch nicht: Der damals 26-Jährige kam nach Toulouse in Südfrankreich, um dort für die neu gegründete Luftfrachtgesellschaft Latécoère zu arbeiten – zunächst beim Bodenpersonal, obwohl Saint-Exupéry schon damals ein erfahrener Pilot war. Es war vor allem ein Versucht, sich aus der finanziellen Pleite zu befreien. Saint-Exupéry hatte keinen Wohnsitz vor Ort, keine Ersparnisse. Deswegen kam er, wie so viele seiner Kollegen, in einem kleinen Hotel der Stadt unter: dem Hotel le Grand Balcon im Zentrum der „Ville Rose“, der wegen ihrer Backsteinarchitektur rosaroten Stadt genannten Luftfahrtmetropole, gleich um die Ecke vom Capitol, dem Rathaus.

Saint-Exupéry war Teil der neuen Luftpost

Es war die Zeit des Aufbruchs in den Himmel: Von Toulouse aus, einer Stadt, an der die industrielle Revolution zunächst eher vorbeigegangen war, entwickelte Pierre-Georges Latécoère nichts Geringeres als die moderne Luftpost. Briefe waren plötzlich in einer nie zuvor gekannten Geschwindigkeit in anderen Teilen der Welt. Ein Service, der vor Ort eine nicht unbeträchtliche Infrastruktur und vor allem Personal notwendig machte.

Saint-Exupéry war nun Teil dieses spannenden neuen Projekts, doch der Dienst am Boden lag ihm nicht. Er, der Pilot aus Leidenschaft musste in die Luft. Und nach kurzer Zeit wechselte er so tatsächlich in den Flugdienst. Er flog zunächst die Strecke Toulouse–Casablanca, dann Casablanca–Dakar. Im Toulouser Luftfahrtmuseum Aeroscopia ist heute eine Maschine aus dieser Zeit zu sehen – mit erschreckenden Vorstellungen: Die Piloten waren vor Wind und Wetter ungeschützt, jeder Start barg sehr viel deutlicher als heutzutage die Gefahr, nie wieder zurückzukehren. Saint-Exupéry half eine Zeit lang, dies zu verhindern. In den Jahren 1927 und 1928 war er Leiter eines einsamen Zwischenlandeplatzes auf dem Cabo Juby in Marokko. Für die Rettung von insgesamt 14 in der Wüste notgelandeten Piloten erhielt er 1930 den höchsten Zivilorden Frankreichs, den Chevalier de Légion d’Honneur. In dieser Einsamkeit verfasste er auch seinen ersten kleinen Roman, den „Südkurier“.

Eine Suite für den kleinen Prinzen

Heute sind der europäische Flugzeugbauer Airbus und seine Zulieferbetriebe die bedeutendsten Arbeitgeber in Toulouse. Doch noch immer erinnert man sich überall in der Stadt an Antoine de Saint-Exupéry. „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Dieser wohl bekannteste Satz aus dem „kleinen Prinzen“ scheint allgegenwärtig. Das Aeroscopia widmet sich der Luftpostzeit des Autors, Buchhandlungen sind voll von seinen Erzählungen. Und auch das Hotel le Grand Balcon lässt die Erinnerung fortleben: Zimmer 32, jenes, in dem Saint-Exupéry lange gewohnt hat, ist als heute im Stil der Dreißigerjahre hergerichtet. Isabelle Klein, eine örtliche Antiquitätenhändlerin, half mit, dem Raum durch Möbel und Tapeten einen historischen Anstrich zu verleihen. Verständlich, dass es nur einen Namen tragen kann: Saint-Exupéry Suite. Michael Pohl

Hotel le Grand Balcon, 8-10 Rue Romiguières, 31000 Toulouse, Frankreich, Telefon +33 5 34 25 44 09, https://grandbalconhotel.com

Weitere Hotels mit Vergangenheit finden Sie im Buch „Hotelgeschichte(n) weltweit“ (Conbook-Verlag).

von Michael Pohl