Versaces Traumhaus: The Villa Casa Casuarina, Miami. (c) Pohl

Versaces Traumhaus: The Villa Casa Casuarina, Miami. (c) Pohl

Der 15. Juli 1997 schien in Miami ein Tag wie jeder andere zu sein. In den Büros im Zentrum der Stadt herrschte an diesem Dienstagmorgen bereits hektisches Treiben, als im vorgelagerten Miami Beach vor allem noch eines angesagt: entspannen. Der berühmte Art-deco-Bezirk der Stadt mit seinem breiten Sandstrand war schon damals der Inbegriff des leichten, noblen Lebens in Florida. Die Sonne scheint hier fast immer, der größte Stress des Tages besteht mitunter darin, einen Platz vor einem der unzähligen Cafés und Restaurants zu finden. Das lockt seit jeher die Reichen und Schönen an diesen Zipfel des Bundesstaates — so auch Gianni Versace.

Versaces Villa für drei Millionen Dollar

Unmittelbar am Ocean Drive hatte der bekannte italienische Modedesigner 1992 für knapp drei Millionen Dollar eine Villa gekauft. Drei Stockwerke, zehn Schlafzimmer, elf Bäder — der mediterran anmutende Bau wirkt damals wie heute wie ein nobler Fremdkörper am Ocean Drive. Dabei kann er auf eine lange Geschichte zurückblicken: Der Millionär Alden Freeman ließ das Haus bereits 1930 bauen. Bereits mit 27 hatte Freeman reich geerbt und sich fortan in erster Linie aufs Reisen konzentriert. Als großer Bewunderer von Christopher Columbus stieß er irgendwann auf die Alcazar De Colon in Santo Domingo, einen Palast, der von Columbus‘ Sohn Diego erbaut worden war. Freeman war so begeistert davon, dass er beschloss, sich in Anlehnung an dieses Gebäude seinen eigenen Palast zu bauen: die Villa Casa Casurina. Zwei Steine in der Villa in Miami sollen sogar aus dem großen Vorbild in der Dominikanischen Republik stammen. Ein Gebäude wie geschaffen für Gianni Versace.

Der Modedesigner verwandelt die Villa für einen Millionenaufwand in sein eigenes Reich, ohne die mediterrane Grundstruktur anzutasten. Mehr noch: Versace schaffte es tatsächlich, im denkmalgeschützen Miami Beach auch das Nachbargebäude zu erwerben, das Revere Hotel, um es abreißen zu lassen. Er benötigte Platz für eine Erweiterung seines Hauses, für einen Garten und einen neuen Pool. So einfach war das, wenn man Geld und einen Namen hatte.

Hier lebte Versace nun und pflegte ein Ritual, das in der ganzen Gegend bekannt war: An jedem Morgen ging er ins News Café, um dort einen Kaffee zu trinken und Zeitungen zu kaufen. Das tat er auch am 15. Juni 1997. An diesem Tag aber sollte ihm sein Ritual zum Vergängnis werden. Als Versace zu seiner Villa zurückkehrte, zerstörten zwei Schüsse die morgendliche Ruhe in Miami Beach. Ein Attenäter feuerte auf Versace, der daraufhin auf den weißen Marmorstufen seines Hauses zusammensackte. Sein langjähriger Lebensgefährte Antonio D’Amico stürzte aus dem Haus und sah den Attentäter Medienberichten zufolge noch flüchten. Doch für Versace kam jede Hilfe zu spät — er starb noch an Ort und Stelle.

Versaces Mörder ist ein Serienkiller

Als Täter wird schnell der 27-jährige Andrew Phillip Cunanan ermittelt, ein Callboy und Serienmörder, der zu diesem Zeitpunkt vom FBI bereits auf der Liste der zehn meist gesuchten Vebrecher der USA verzeichnet ist. Ob er und sein Opfer sich gekannt haben, ist bis heute unklar. Acht Tage nach dem Mord entdeckt ein Bootsverwalter den Täter auf einer Yacht. Als die Polizei mit einem massiven Aufgebot eintrifft, nimmt sich Cunanan das Leben.

Verasces Villa ist seit dem Tod des Modedesigners zum Pilgerort geworden. Drei Jahre stand sie leer, dann erwarb sie der Telefonmillionär Peter Loftin und machte daraus einen elitären Club mit angeschlossenem Hotel. Das Gebäude wechselte in den Folgejahren weiter die Besitzer, bis es 2013 zur Heimat des edlen Hotels The Villa Casa Casurina wurde. Sie ist es bis heute. Für die Nacht müssen Gäste mit rund 1000 Euro rechnen, wer etwas günstiger davon kommen will, begnügt sich vielleicht eher mit einem Dinner im angeschlossenen Restraurant. Es trägt den Namen „Gianni’s“ — Versace zu Ehren. Michael Pohl

The Villa Casa Casuarina, 1116 Ocean Dr, Miami Beach, FL 33139, USA, http://vmmiamibeach.com

Weitere Hotels mit Vergangenheit finden Sie im Buch „Hotelgeschichte(n) weltweit“ (Conbook-Verlag).

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von Michael Pohl